Ein Lob der Hierarchie?!

Only bad news are good news. Warum sollte es also eine Schlagzeile wert sein, dass dieses oder jenes gut gelaufen ist und dass dies auch an guter Führung lag. Führungskräfte Bashing à la „Ich arbeite in einem Irrenhaus“ und ähnliche Werke verkaufen sich einfach besser. Natürlich fühlen sich einige Menschen schlecht geführt, es gibt ganze Bücherregale über inkompetente Führungskräfte. Allerdings erfüllen andere Führungskräfte Ihre Aufgaben ganz hervorragend.

Man schüttet allerdings das Kind mit dem Bade aus, wenn hierarchische Führung derzeit keinen guten Ruf genießt und man glaubt, dass Hierarchien ausgedient hätten. Dahinter steckt meist die Idee, dass man sich auf diese Weise der „dumpfbackigen“ Führungskräfte entledigen kann; und alles wird gut.

„Der heiße Scheiß sind Agilität, Selbstorganisation, Holocracy und andere „Betriebssysteme für Organisationen“. Wenn überhaupt Hierarchie, dann bitte schön möglichst flach. So geht eine Heerschar von Beraterinnen mit entsprechenden Konzepten hausieren.“ [1]

Auf die Verantwortung kommt es an

„Management ist Praxis und nicht so sehr eine Wissenschaft. … Es ist nicht Wissen, sondern Ausführung …. Seine Praxis basiert sowohl auf Wissen wie auf Verantwortung.“[2]

Die Verantwortung bezieht sich auf die fundamentale Aufgabe der Führung: gemeinsam mit dem Team sollen Leistungen erbracht und Ziele erreicht werden. Der wesentliche Hebel sind dabei die Mitarbeiter*innen: Sie sollen in die Lage versetzt werden, diese Leistungen durch gemeinsame Ziele, gemeinsame Werte, die richtige Struktur und die richtige Anleitung in der Bewältigung von Veränderungen zu erbringen.

In der Zeit von 1976 bis 1990 habe ich meinen Wehrdienst abgeleistet. Dort gab es dieses geflügelte Wort: „Melden macht frei.“ Wer ein Problem hat und eigenständig keine Lösung findet, wendet sich an den Vorgesetzten und erwartet mindestens Hilfestellung oder besser die Problemlösung. Das Problem wird nach oben delegiert, der Meldende kann sich entlasten. Dies ist eine wesentliche Funktion funktionierender Hierarchien: Sie weist Menschen Handlungsrahmen und Verantwortlichkeiten zu. Wer in der Hierarchie höhergestellt ist, hat mehr zu entscheiden – und trägt auch mehr Verantwortung. Letzteres will nicht jeder. Manche (die meisten?) wollen einfach ihren Job machen und ansonsten in Ruhe gelassen werden – und das ist auch gut so. Wenn heutzutage über Hierarchie geschimpft wird, liegt das bei näherer Betrachtung oft an unangemessenem Führungsverhalten und/ oder schlechter Wahrnehmung der Führungsaufgaben. Das ist durchaus ein großes Problem! Aber nicht eines der Hierarchie, sondern der Führungskräfteauswahl und -entwicklung.

Fazit

Hierarchische Führung stellt keine perfekte Struktur dar. Schlecht praktiziert, kann sie Unternehmen langsam, träge und damit ineffizient machen – was ein Problem darstellt, wenn sich die VUCA-Welt schnell dreht. Andererseits haben sich Hierarchien seit Jahrtausenden bewährt, über universelle Kulturen und Kontexte hinweg. Ein Abgesang auf die Hierarchie scheint mir voreilig. Eine eingehende Ursachenanalyse bei wahrgenommenen Problemen ist wichtig, um ein zielloses, aktionistisches „Auf-links-drehen“ der Unternehmensstrukturen zu vermeiden. Instrumente zur Diagnose der Führungskultur gibt es genug.

Übrigens

Die Diskussion über flache Hierarchien scheint schon längst überholt. Immer öfter wird von Unternehmen berichtet, in denen sich der Chef gewissermaßen abschafft und die Mitarbeiter*innen in einem nie gekannten Ausmaß autonom entscheiden. Kann das gut gehen, oder ist es gar der „Königsweg“, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein?

Das ist jedenfalls das Credo von Stephan Heiler. Diskutieren Sie mit Stephan Heiler (Geschäftsführender Gesellschafter der Heiler Glas GmbH) über seine  Führungsphilosophie. Leadership-Entwicklung im Schloss – Wenn Theorie auf Wirklichkeit trifft.

    Michael Kohlhaas

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[1] https://www.business-punk.com/2022/08/unser-kolumnist-nico-rose-plaediert-fuer-hierarchien-im-job/

[2] Peter F. Drucker (Management – Das Standardwerk komplett überarbeitet und erweitert. Band 1 Seite 55, Campus Verlag Frankfurt/ New York, 2009)

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