Zwischen Ökonomie und dem anderen Gedöns

Das Spannungsfeld verantwortungsvoller Führung

Michael Kohlhaas, 03.02.2020

Sie erinnern sich? Im Jahr 1998 suchte der Bundeskanzlerkandidat Gerhard Schröder eine Ministerin für ein zukünftiges Kabinett, die sich um Familie, Senioren, Frauen und Jugend kümmert. Auf einer Fraktionssitzung der SPD im Bundestag soll es dann passiert sein, als Schröder zur SPD-Politikerin und früheren Berliner Arbeitssenatorin Christine Bergmann sagte: „Du bekommst das Ministerium ‚Familie und das andere Gedöns“.

In Zeiten des Shareholder Value teilten soziale und ökologische Aspekte der Unternehmensführung das Schicksal des „Gedöns“. Heute ist klar, dass der Stakeholderansatz, also die Berücksichtigung der berechtigten Interessen aller Stakeholder das Maß der Dinge einer verantwortungsvollen Unternehmensführung ist.

Unternehmen müssen Wachstum mit gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung verbinden. Das zeigt eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Zusammenarbeit mit Accenture.

Die Studie „Seeking New Leadership“ zeige einen direkten Zusammenhang zwischen verantwortungsvoller Führung und höherer finanzieller Leistungsfähigkeit, so heißt es in der Berichterstattung. Sie verdeutlicht, dass Unternehmen sich mit dringenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen befassen müssen, um zukünftig wettbewerbsfähig zu sein.

Und genau darum geht es meines Erachtens im Kern: Die Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Belangen als „licence to operate“, um langfristig überhaupt am wirtschaftlichen Wettbewerb teilhaben zu können. Das Beispiel Siemens gibt vielleicht einen Vorgeschmack auf das, was da noch kommen kann. Aufgrund der Lieferung einer im Grunde unbedeutenden Signalanlage für eine umstrittene Kohlemine in Australien gerät Siemens mehr und mehr unter Druck. Die Vorgänge zwischen Siemens und Klimaaktivisten belasteten zuletzt den Aktienkurs deutlich. Trotz der einen oder anderen Gegenbewegung hat das Papier in den gut zwei Wochen seit Jahresbeginn um etwa 1,3 Prozent an Wert verloren, so die finanztrends am 18.01.2020.

Gesellschaftlicher Mehrwert erwünscht

Der Studie zufolge sind sechs von zehn (61 Prozent) der befragten aufstrebenden Führungskräfte der Meinung, dass Geschäftsmodelle nur verfolgt werden sollten, wenn sie neben Wachstum auch einen gesellschaftlichen Mehrwert bringen. Die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte (79 Prozent) und Interessenvertreter (73 Prozent) gab zudem an, dass das positive Potenzial neuer Technologien ein Überdenken der Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft erfordere.

Wir brauchen also einen Stakeholder-Ansatz, der Unternehmergeist mit Sinn und Zweck einem attraktiven „purpose“ verknüpft.

Kernelemente einer verantwortungsvollen Führung

Die Studie hat folgende fünf Kernelemente für eine verantwortungsvolle Führung identifiziert, die bei Licht betrachtet Altbekanntem neues Gewicht und stärkere Bedeutung beimisst:

Stakeholder-Inklusion: Indem man Stakeholder in Entscheidungsprozesse einbezieht und ein integratives Umfeld fördert, schafft man Vertrauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit.

Emotion & Intuition: In einem offenen und empathischen Umfeld setzt man Engagement und Kreativität frei.

Mission & Zielsetzung: Mit einer gemeinsamen und nachhaltigen Vision lassen sich Ziele effektiver und schneller umsetzen.

Technologie & Innovation: Durch den verantwortungsbewussten Umgang mit Innovationen und Technologien werden neue organisatorische und gesellschaftliche Werte geschaffen.

Intellekt & Kenntnis: Kontinuierliches Lernen und ein regelmäßiger Wissensaustausch helfen den Weg zum Erfolg zu finden.

Die Studienergebnisse bestätigen ferner die ebenfalls nicht neue Erkenntnis, dass sich Gewinn und verantwortungsvolle Führung nicht gegenseitig ausschließen. Im Gegenteil: Es kristallisiert sich ein positiver Zusammenhang heraus zwischen verantwortungsvoller Führung und stärkerer finanzieller Leistungsfähigkeit.

Von wegen Gedöns: Wachstum mit sozialer und ökologischer Verantwortung verbinden

Antje von Dewitz, Geschäftsführende Gesellschafterin der VAUDE GmbH & Co. KG in Tettnang bringt es in einem Interview treffend auf den Punkt: „Die unternehmerische Prägung habe ich von meinem Vater. Er ist ein Pionier, der Vaude fast aus dem Nichts gegründet hat. Die Nachhaltigkeit kommt eher von meiner Mutter, einer engagierten Umweltaktivistin. Daher wollte ich seit meiner Jugend zu einer lebenswerten Welt beitragen. Zunächst dachte ich eher daran, dies bei einer NGO wie Greenpeace zu tun. Irgendwann aber merkte ich: Wenn ich Verantwortung übernehmen und positiv gestalten will, kann ich das im eigenen Unternehmen am besten tun.“

Fazit

Nur Stakeholder-zentrierte Führungs- und Geschäftsmodelle können die notwendige Innovationskraft freisetzen, um die Unternehmensleistung zu steigern und gleichzeitig den gesellschaftlichen Fortschritt voranzutreiben.

Das völlig neu überarbeitete EFQM-Managementmodell trägt diesen Entwicklungen Rechnung. Insbesondere der Stakeholderansatz sowie die wettbewerbsfördernden Eigenschaften wie Flexibilität und Anpassungsfähig (Agilität) von Unternehmen finden ihre angemessene Berücksichtigung. Schließlich ist die Zukunftsorientierung im EFQM-Managementmodell als kritischer Aspekt der Entwicklung von Organisationen neu hinzugekommen.

Im Rahmen meiner Partnerschaft mit der Initiative Ludwig Erhard Preis e.V berate ich Sie gerne und gebe  Ihnen weitere Informationen, Literaturtipps oder Verweise zu den genannten Themen.

Rufen Sie mich einfach an: 07471/ 9841 353 oder schicken Sie mir eine E-Mail an m.kohlhaas@100persent.de . Ich antworte umgehend.

■ Michael Kohlhaas

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