„Aussichten auf Arbeitsmarkt weiter gut“ – Tatsächlich?

Der Arbeitsmarkt in Deutschland wird sich nach Ansicht von Jobvermittlern bis zum Winter weiter gut entwickeln, so ein Artikel in der Süddeutsche online vom 29. August 2016. Die Zahl der Beschäftigten werde in den nächsten drei Monaten weiter steigen und die Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum sinken, prognostizierten die Chefs der 156 deutschen Arbeitsagenturen in einer monatlichen Umfrage des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Ist das eine gute Nachricht? Und wenn ja für wen?

„Die Arbeitsagenturen erwarten eine weiter anziehende Arbeitsmarktentwicklung“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber. Auch im Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit für den August 2016 heißt es, dass sich der robuste Aufwärtstrend der deutschen Realwirtschaft im zweiten Quartal 2016 fortsetzt.

Im Klartext heißt dies: die Schere zwischen steigender Beschäftigtenzahl und sinkender Zahl von Arbeitslosen öffnet sich weiter.

 

Erwerbstätigkeit 

erwerbstaetige_08_2016

Die Zahl der Erwerbstätigen hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juli saisonbereinigt um 39.000 zugenommen, nach +47.000 im Juni und +40.000 im Mai. Nicht saisonbereinigt lag die Erwerbstätigkeit im Juli bei 43,71 Mio. Gegenüber dem Vorjahr ist sie um 535.000 oder 1,2 Prozent gestiegen, nach +533.000 oder ebenfalls +1,2 Prozent im Juni. Der Anstieg der Erwerbstätigkeit beruht auf dem anhaltend kräftigen Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

 

 

 

 

 

 

Abbildung 1 – Erwerbstätige und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Millionen; Deutschland 2010 – 2016; Quelle: Statistisches Bundesamt (Erwerbstätige Inlandskonzept mit einem Monat Wartezeit), Statistik der Bundesagentur für Arbeit (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit zwei Monaten Wartezeit)

Arbeitslosigkeit

arbeitslosigkeit-08_2016Nach Berechnungen der Fachleute waren im August 2,683 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Das wären etwa 22 000 mehr als im Juli, aber rund 110 000 weniger als vor einem Jahr. Das ist der niedrigste Stand der Arbeitslosigkeit in einem August seit der Wiedervereinigung!

Abbildung 2 – Arbeitslose in Tausend, Deutschland 2010 bis 2016

Die demographische Lücke

Als Vater dreier Kinder kann ich angesichts dieser Zahlen nur sagen: ‚Liebe Kinder, Euch steht die Arbeitswelt offen.‘

Die jungen Leute von heute sind in der glücklichen Lage, sich die Arbeitsplätze im wahrsten Wortsinne auszusuchen zu können. Die Gewichte auf dem Arbeitsmarkt haben sich bereits jetzt dramatisch verschoben. Und schon hört man die Personaler angesichts veränderter Verläufe von Vorstellungsgesprächen klagen: „So was hätten wir uns früher nicht getraut zu fragen oder gar zu fordern.“

Wie heißt es in dem chinesischen Sprichwort so schön: ‚Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.‘

‚Na ja‘, denken noch immer – wie ich es in vielen Gesprächen wahrnehme –  einige Unternehmer, der Wind wird schon wieder abflauen, es wird schon nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.‘

Wir von der Manufaktur für Führungskultur im Mittelstand e.V. beurteilen das deutlich anders. Wir raten dringend dazu – um im Bild zu bleiben – die Windmühlen so zu bauen, dass sie sturmfest sind. Denn angesichts der demographischen Lücke wird der aufziehende Wind so rasch weder nachlassen noch in der Stärke abnehmen.

demographische-luecke

 

Im Gegenteil: in den nächsten rund 20 Jahren wird die Differenz zwischen der Anzahl der Erwerbstätigen, die aus Altersgründen den Arbeitsmarkt verlassen und der Anzahl der jungen Menschen, die dem Arbeitsmarkt erstmals zur Verfügung stehen, nicht unter 300.000 fallen – Jahr für Jahr! Anders ausgedrückt: bis zum Jahr 2050 wird die demographische Lücke bei knapp 13.000.000 Erwerbstätigen liegen.

Abbildung 3 – Die demographische Lücke –  Saldo aus Eintritten in den Ruhestand und Eintritten ins Erwerbsleben, Deutschland 2015 bis 2050; Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2014 und eigene Berechnungen

Natürlich kann das einzelne (mittelständische) Unternehmen dieses Problem nicht alleine lösen. Aber es kann das tun, was es tun kann. Nämlich dafür zu sorgen, dass das Unternehmen erfolgreich und somit attraktiv für Mitarbeiter/innen ist. Und damit das geschieht, braucht es eine zeitgemäße, innovative Führungskultur – insofern wird sie zum kritischen Erfolgsfaktor.

Eine solche Führungskultur kann man dabei durchaus als Innovation im Sinne der Diffusionstheorie nach Everett M. Rogers verstehen. Die Diffusionstheorie beschäftigt sich mit den Prozessen, die durch die Einführung und Verbreitung (Adoption) von Innovationen in einem sozialen System ausgelöst werden.

Der Adoptionsansatz der Diffusionstheorie geht davon aus, dass der Entscheidungsprozess (zur Anwendung/ Nicht-Anwendung der Innovation) vor allem durch den individuellen Anspruch des Entscheiders (Adopter), die Eigenschaften der Innovation und die Rahmenbedingungen des Adoptionsprozesses bestimmt wird.

Die Entscheidung, eine Innovation anzunehmen oder abzulehnen ist keine spontane Reaktion, sondern ein sozialer Prozess, der sich über einen bestimmten Zeitraum erstreckt und eine Reihe von Handlungen beinhaltet. Rogers unterscheidet die folgenden Stufen dieses Adoptionsprozesses:

  • Knowledge, von einer Innovation erfahren
  • Persuasion, von einer Innovation im positiven oder negativen Sinn überzeugt werden
  • Decision, sich für oder gegen eine Innovation entscheiden
  • Implementation, die Innovation implementieren
  • Confirmation, die Innovationsentscheidung bestätigen und weiter nutzen oder rückgängig machen

Beim Entscheidungsprozess werden unterschiedliche Typen von Adoptoren definiert:

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  • Innovators (Innovatoren)
  • Early Adopters (Frühe Anwender)
  • Early Majority (Frühe Mehrheit)
  • Late Majority (Späte Mehrheit)
  • Laggards (Zauderer)

 

Abbildung 4 – Adoptionskurve von Innovationen in Anlehnung an die Diffusionsforschung nach Everett M. Rogers

In Anbetracht der sich dramatisch verändernden Rahmenbedingungen, stellt eine zeitgemäße Führungs- und Unternehmenskultur eine Innovation dar, sie wird ein Engpassfaktor im Wettbewerb um geeignete Fach- und Führungskräfte. Stellen Sie sicher, dass Sie ‚vorn dabei sind‘. Überlassen Sie die Entwicklung einer solchen Führungskultur nicht dem Zufall, sondern gestalten sie diese systematisch und zielgerichtet, zum Beispiel mit den Diagnosetools, die Ihnen die Manufaktur für Führungskultur im Mittelstand e.V. zur Verfügung stellt.

Denn wer angesichts der demographischen Entwicklung bei dem Thema Führungskultur zu spät kommt, den bestraft das Leben sehr hart.

„Aussichten auf Arbeitsmarkt weiter gut“? Ja, aber hinsichtlich der Führungskultur nur für die Innovatoren, Early Adopters und die Early Majority.

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