Ich hatte dieser Tage eine spannende Diskussion mit Felix Weber auf LinkedIn zum Thema Kontrolle und Vertrauen (https://tinyurl.com/3jbht2bb). Getriggert hatte mich in der Tat die o.a. reißerische Überschrift.
Sehr verkürzt zusammengefasst vertritt Weber die Auffassung, dass Kontrolle ein Zeichen schwacher Führung ist, weil sie Ausdruck eines Misstrauens sei. „Wer nicht zulässt, dass Menschen aus eigener Kraft scheitern, wird nie erleben, wozu sie aus eigener Kraft fähig sind.“
Wortreich und mit nicht wenigen Gemeinplätzen begründet er seine Sicht der Dinge: „Eine bestimmte Zielgruppe verschließt sich konsequent der Option, Führung auf Vertrauen aufzubauen. Stattdessen wird mit erstaunlicher Vehemenz ein Kontrollverständnis aus den Siebzigern verteidigt – als gäbe es Wissensarbeit, Komplexität, VUCA/BANI und selbstorganisierte Teams schlicht nicht.“
Stimmt diese Gleichsetzung überhaupt, Kontrolle = Misstrauen? Oder ist sie lediglich eine individuelle Konstruktion, ein persönliches Kopfkino?
Für mich ist Kontrolle nicht notwendigerweise ein Ausdruck von Misstrauen, sondern eine unabdingbare Führungsaufgabe, um der Führungsverantwortung gerecht zu werden

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“ ist eine Redewendung, die dem russischen Politiker Lenin zugeschrieben wird. Der Ausspruch ist in seinen Werken allerdings nicht vorhanden. Er beruht auf dem russischen Sprichwort „Dowerjaj, no prowerjaj“, zu Deutsch „Vertraue, aber prüfe nach“.
Ich möchte Ihnen ein alternatives Konzept anbieten, um Missverständnisse auszuräumen, die aus der Beilegung von Bedeutungen zu Begriffen herrühren. Vielleicht nähern wir uns auf dieser Weise einem gemeinsamen Verständnis.
Kontrolle als führungsimmanente Funktion, nicht als persönliche Kontrollsucht
Die Kybernetik als Wissenschaft von Steuerung, Regelung und Kommunikation in dynamischen Systemen (biologisch, technisch, sozial), beschäftigt sich mit Informationsverarbeitung und Rückkopplungsprozessen, um zu verstehen, wie Systeme sich selbst regulieren und zielgerichtet agieren. Kontrollschleifen gehören zwingend zu diesen Steuerungsprozessen dazu. Kontrolle ist also der Führung und Steuerung von sozialen Systemen immanent. Sie ist unabhängig davon, ob eine einzelne Person oder ein Team die Führungsverantwortung trägt.
Die Ausgangsthese meiner Argumentation lautet daher: Führung ist ergebnisverantwortlich.
Wenn das so ist, dann ist eine gewisse Fortschrittskontrolle eine unabdingbare Voraussetzung, um dieser Ergebnisverantwortung gerecht zu werden. Wie sonst soll die Verantwortung für zu erzielende Ergebnisse wahrgenommen werden?
Vertrauen, Eigenverantwortung, Mut, Empowerment, Eigeninitiative, psychologische Sicherheit gehören zweifelsfrei zu guter Führung, ersetzen aber keineswegs die Ergebniskontrolle.
Monitoring anstatt Kontrolle
Vielleicht ersetzen wir den Begriff der „Kontrolle“ durch den weniger negativ belasteten Begriff des „Monitoring“.
Monitoring ist ein entscheidender Bestandteil des Projektmanagements, der Forschung und verschiedener Bereiche, die eine systematische Nachverfolgung von Aktivitäten und Ergebnissen erfordern. Es umfasst die regelmäßige Erhebung, Analyse und Nutzung von Informationen, um sicherzustellen, dass ein Projekt oder Programm auf dem richtigen Weg ist, seine Ziele zu erreichen. Verschiedene Arten des Monitoring erfüllen unterschiedliche Zwecke, wobei jede einzigartige Erkenntnisse und Daten liefert, die effektive Entscheidungsfindung fördern können.
Sieben verschiedene Arten des Monitoring kann man unterscheiden:
1. Prozessmonitoring
Prozessmonitoring konzentriert sich auf die Umsetzung von Projektaktivitäten. Es stellt sicher, dass das Projekt wie geplant durchgeführt wird.
Hauptmerkmale
- Verfolgt den Fortschritt der Aktivitäten im Vergleich zum Projektplan.
- Stellt sicher, dass die Ressourcen wie vorgesehen genutzt werden.
- Identifiziert etwaige Verzögerungen oder Abweichungen vom Plan.
- Gibt der Projektleitung Echtzeit-Feedback für zeitnahe Anpassungen.
Anwendungen
- Wird im Projektmanagement ausgiebig eingesetzt, um sicherzustellen, dass Aufgaben pünktlich erledigt werden.
- Hilfreich bei der Identifizierung von Engpässen und Bereichen, in denen die Effizienz verbessert werden kann.
2. Compliance Monitoring
Compliance- Monitoring stellt sicher, dass ein Projekt oder eine Organisation Vorschriften, Standards und vertragliche Verpflichtungen einhält.
Hauptmerkmale
- Beinhaltet regelmäßige Audits und Inspektionen.
- Stellt die Einhaltung gesetzlicher, regulatorischer und politischer Anforderungen sicher.
- Identifiziert Bereiche der Nichteinhaltung und empfiehlt Korrekturmaßnahmen.
Anwendungen
- Unverzichtbar in Branchen wie Gesundheitswesen, Finanzen und Umweltmanagement.
- Wird von Aufsichtsbehörden verwendet, um sicherzustellen, dass Organisationen die erforderlichen Standards erfüllen.
3. Kontextmonitoring
Kontextmonitoring beinhaltet die Verfolgung externer Faktoren, die ein Projekt oder Programm beeinflussen können. Es hilft, das umfassendere Umfeld zu verstehen, in dem das Projekt stattfindet.
Hauptmerkmale
- Überwacht sozioökonomische, politische und ökologische Faktoren.
- Hilft dabei, potenzielle Risiken und Chancen zu erkennen.
- Informiert strategische Entscheidungsfindung und Risikomanagement.
Anwendungen
- Entscheidend bei Entwicklungsprojekten, die in dynamischen und oft instabilen Umgebungen arbeiten.
- Wird im Katastrophenmanagement eingesetzt, um Bedingungen zu überwachen, die zu Notfällen führen könnten.
4. Ergebnismonitoring
Ergebnismonitoring konzentriert sich ganz allgemein darauf, die Ergebnisse zu verfolgen. Es kann sich dabei um Ergebnisse und Auswirkungen eines Projekts oder Programms handeln oder zum Beispiele die Ergebnisse strategischer Aktivitäten.
Hauptmerkmale
- Misst den Fortschritt bei der Erreichung der Projektziele und -vorgaben.
- Verwendet Key Performance Indicators (KPIs) zur Leistungsbewertung.
- Liefert Belege für die Wirksamkeit und Wirkung des Projekts.
Anwendungen
- Wird von Unternehmen genutzt, um den Erfolg von Strategien und Projekten sowie von ganz allgemein von zielgerichteten Aktivitäten zu bewerten.
- Hilft Organisationen, Rechenschaftspflicht zu zeigen und die fortgesetzte Finanzierung zu rechtfertigen.
5. Finanzmonitoring
Finanzmonitoring verfolgt die finanziellen Aspekte eines Projekts und stellt sicher, dass das Budget effektiv verwaltet und Ressourcen angemessen verteilt werden.
Hauptmerkmale
- Überwacht die Ausgaben im Vergleich zum Budget/ Haushalt.
- Stellt sicher, dass die finanziellen Ressourcen effizient eingesetzt werden.
- Identifiziert finanzielle Risiken und Unregelmäßigkeiten.
Anwendungen
- Entscheidend im Projektmanagement zur Sicherstellung finanzieller Nachhaltigkeit.
- Wird von Finanzmanagern und Wirtschaftsprüfern genutzt, um Ausgaben zu verfolgen und Betrug zu verhindern.
6. Technisches Monitoring
Technisches Monitoring bewertet die technischen Aspekte eines Projekts und stellt sicher, dass technische Standards und Spezifikationen erfüllt werden.
Hauptmerkmale
- Überwacht die Qualität technischer Prozesse und Ergebnisse.
- Stellt die Einhaltung technischer Standards und Richtlinien sicher.
- Identifiziert technische Probleme und empfiehlt Lösungen.
Anwendungen
- Üblich in Bau-, Ingenieur- und IT-Projekten.
- Gewährleistet die technische Integrität und Qualität der Projektergebnisse.
7. Impact Monitoring
Impact Monitoring konzentriert sich auf die langfristigen Auswirkungen und Veränderungen, die durch ein Projekt oder Programm mit sich gebracht werden.
Hauptmerkmale
- Misst die breiteren sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen.
- Bewertet, ob das Projekt seine beabsichtigte Wirkung erreicht hat.
- Bietet Einblicke in die Nachhaltigkeit und Reproduzierbarkeit von Projektergebnissen.
Anwendungen
- Verwendet in Nachhaltigkeits- und Entwicklungsprojekten zur Messung langfristiger Veränderungen.
- Hilft Organisationen, die weiterreichenden Auswirkungen ihrer Arbeit zu verstehen.
Fazit
Jede Art des Monitoring spielt eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung des Erfolgs und der Nachhaltigkeit von unternehmerischen Initiativen, Projekten und Programmen. Wenn wir Daten systematisch erheben und analysieren, können Unternehmen fundierte Entscheidungen treffen, die Effizienz steigern und Verantwortlichkeit gegenüber den Stakeholdern zeigen. Ob es darum geht, tägliche Aktivitäten zu verfolgen oder langfristige Auswirkungen zu bewerten – eine effektive Überwachung ist unerlässlich, um Projektziele zu erreichen und positive Veränderungen zu bewirken.
■ Michael Kohlhaas
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