Reinhard Sprenger hat einmal versucht das Wort Comittment zu übersetzen. Er landete schließlich bei „Selbstverpflichtung“ und war damit dennoch nicht wirklich glücklich. Es beinhalte das „Jammertalwort“ der Pflicht in der Mitte.
Ein Jammertalwort ist ein Begriff, der eine negative oder leidvolle Bedeutung transportiert, oft mit einer gewissen Schwere oder Klage verbunden. Beispiele wären „Mühsal“, „Plage“ oder „Entbehrung“.
Ähnliches schreiben viele Menschen wohl der „Disziplin“ zu. Aber nein, „Disziplin“ ist kein Jammertalwort. „Disziplin“ beschreibt Selbstkontrolle, Ordnung oder ein bestimmtes Regelwerk – das kann zwar als anstrengend empfunden werden, aber es ist nicht von Natur aus negativ oder klagend. Disziplin wird oft sogar positiv im Sinne von Zielstrebigkeit und Erfolg gesehen.
Ein kurzer Blick zurück
Zu den bürgerlichen Tugenden wurden insbesondere Fleiß, Treue, Gehorsam, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe, Höflichkeit, Sauberkeit u. a. m. gezählt, meist aus dem Katalog der preußischen Tugenden bzw. des „bürgerlichen“ Tugendkatalogs. Otto Friedrich Bollnow ließ 1963 der Ordnung und Reinlichkeit, dem Fleiß und der Wahrhaftigkeit noch einmal eine Bestätigung zukommen, registrierte aber bereits „das absinkende Verständnis“ in der Gesellschaft.
Nach 1968 (Studentenbewegung) gerieten die bürgerlichen Werte in die Kritik und wurden abgewertet oder verächtlich gemacht. Der Begriff der Sekundärtugend wurde geprägt. In diesem Kontext wurde eine Entgegnung Oskar Lafontaines an Helmut Schmidt auf die politische Forderung des Kanzlers nach „Bündnistreue“ gegenüber den USA im Streit um den NATO-Doppelbeschluss berühmt. In einem Interview mit dem Stern vom 15. Juli 1982 sagte er: „Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. […] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“
Oskar Lafontaine hatte damit den Begriff in die Ethikdebatte eingeführt und zugleich eine klar untergeordnete Stellung der bürgerlichen Tugenden postuliert.
Sekundärtugenden und ethische Grundlagen
Überträgt man den Kontext auf das Thema Führungskultur, dann muss man feststellen, dass bestimmte Grundwerte und ethische Grundsätze den Kompass der Unternehmensführung darstellen. Im Grunde muss man Lafontaine daher Recht geben. Aber es gilt auch der Umkehrschluss seiner Argumentation: ohne die Sekundärtugenden kann man gar nichts betreiben, weder – um in seinem Bild zu bleiben – ein KZ, noch erfolgreich ein ethisch vollkommen integres Unternehmen.
Disziplin – beispielhaft für alle anderen Sekundärtuenden – ist also weder moralisch noch unmoralisch, sondern amoralisch.
In einem Artikel in der FAS von 24.10.2024 (Bezahlschranke https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/kinder-werden-nicht-auf-das-echte-leben-vorbereitet-disziplin-kann-helfen-110068271.html) formuliert Isabella Görres die Auffassung, dass Disziplin unsere Gesellschaft rettet.
Oft werde Disziplin nur als strenge, kontrollierende, starre Kraft verstanden und weniger als innere Stärke, die es ermögliche, persönliche Ziele zu erreichen und Herausforderungen zu meistern. In einer Zeit, in der Selbstverwirklichung und persönliche Freiheit im Vordergrund stehen, wird Disziplin oft als Gegensatz wahrgenommen. Viele sehen darin eine Einschränkung ihrer Freiheit.
Disziplin als Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert?
Im Zeitalter der Ablenkungen ist die Fähigkeit, sich zu fokussieren und beharrlich an Zielen zu arbeiten, essenziell für den persönlichen und beruflichen Erfolg, ja sogar für die eigenen physische und psychische Gesundheit. Alle Kinder, die jetzt, im Jahr 2024, den Kindergarten besuchen, werden erst nach 20240 ihr Ausbildung oder ihr Studium beenden. Doch was erwartet sie dann? Wir wissen es nicht, auch wegen KI.
Was wir jedoch wissen, ist, dass Disziplin für Willenskraft, Ausdauer, Selbststeuerung, Einsatzbereitschaft und innere Stärke steht. Diese innere Macht, die ein jeder, eine jede in sich trägt, muss allerdings erst geweckt werden, braucht Übung, gleich einem Muskel, der trainiert werden muss, um seine volle Kraft zu entfalten.
Wie ist Ihre Meinung als Führungskraft: wird Disziplin eine Schlüsselkompetenz für Führungskräfte im 21. Jahrhundert?
■ Michael Kohlhaas
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